Mit den deutschen Junioren ist Hendrik Pekeler im Juli 2011 Weltmeister geworden. Auf seinem Weg in die Bundesliga nimmt der 20-jährige Kreisläufer des Aufsteigers Bergischer HC die Leser des Handball-Magazins in einem Blog mit.

WG-Leben in Minden und Trip nach Berlin

Herrenrunde: Hendrik Pekeler, Konstantin Madert, Aljoscha Schmidt und Christoph Steinert

14. November 2011

Ereignisreiche zwei Wochen liegen hinter mir: mit Stationen in Minden und Berlin - und zwei Niederlagen mit nur einem Tor.

Als wir bei Frisch Auf Göppingen zu Gast waren, standen die Vorzeichen für uns schlecht. Wir waren die Reise in den Süden nur mit zehn gesunden Feldspielern angetreten, und mussten in der 17. Minute den nächsten Nackenschlag hinnehmen: Ali Oelze bekam eine direkte rote Karte, da er beim Siebenmeter den Torhüter am Kopf egroffen hatte. Davon haben wir uns jedoch wenig beeinflussen lassen. Wir konnten stetig mithalten und waren 50 Minuten lang die bessere Mannschaft. Dann zahlte sich jedoch die stärkere Bank unseres Gegners aus. Göppingen setzte sich auf 32:27 ab, wir kamen noch mal auf ein Tor heran, aber zu mehr hat die Zeit nicht gereicht.

Die darauf folgenden drei freien Tage nutzte ich, um meinen bei GWD Minden spielenden Kumpel Christoph Steinert zu besuchen. Als ich in Minden ankam, wurde ich direkt überrascht: Christoph, Aljoscha Schmidt und dessen Freundin Vanessa nahmen mich in Empfang. Konstantin Madert, viertes WG-Mitglied, war zu der Zeit bei seiner Freundin Isabel. Ich lernte also das WG-Leben kennen, und es hat mir sehr viel Spass bereitet. Dass ich mir das Spiel GWD Minden gegen die SG BBM Bietigheim angeschaut habe, war wahrscheinlich ein schlechtes Omen, denn GWD verlor mit 35:37.

Dienstagabend noch ging's zurück nach Solingen, am Donnerstag bereits nach Berlin. Dort wurden wir, also die Junioren Nationalmannschaft, vor dem ersten Spiel des Supercups in der Berliner Max-Schmeling-Halle für unseren Weltmeistertitel geehrt. DHB-Präsident Ulrich Strombach und DHB-Sportmanager Heiner Brand überreichten uns kleine Geschenke sowie ein Bild unserer Mannschaft als Andenken. Dass wir uns am Abend aufmachten, um Berlin unsicher zu machen, wird keinen überraschen.

Wieder zurück beim Bergischen HC war ohne die Verletzten und den in ihren Nationalmannschaften beschäftigten Jungs mit nur sieben Spielern im Training sehr viel Sprungkraft und Schnelligkeit angesagt. Am Freitag war dann der TuS N-Lübbecke zu Gast. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind wir auf 15:16 zur Halbzeit herangekommen. Im zweiten Abschnitt übernahmen wir das Kommando. Wir hatten einige Male die Chance, uns auf drei, vier Tore abzusetzen, allerdings machte uns Dario Quenstedt sehr zu schaffen. Wir verloren 30:31, da wieder einmal der Gegner den besseren Torhüter hatte und uns die harte Trainingswoche noch in den Beinen steckte.

Aber das alles rückt in den Hintergrund: Nach dem Spiel sagte man uns, dass Bernd und Reiner Methe bei einem Autounfall gestorben sind. Ich habe sie persönlich nicht gekannt, aber sie hatten uns einige Male gepfiffen. Dabei habe ich sie immer als sehr nett erlebt. So eine Nachricht verkraftet man nicht so schnell.

Bis bald,
Peke

Riesiger Jubel

23. Oktober 2011

Nachdem wir die letzten drei Spiele gegen Wetzlar (28:33), Hamburg (25:29) und Melsungen (29:33) lange Zeit sehr gut mitgehalten und uns am Ende lediglich einige Minuten gefehlt hatten, haben wir es dieses Wochenende sehr viel besser gemacht.

Die Wuppertaler Unihalle war mit 2920 Zuschauern nicht ganz ausverkauft, aber die Stimmung war wieder großartig. Wir haben in der vergangenen Woche hart an Grundschnelligkeit und Sprungkraft gearbeitet, da wir vor allem in der Abwehr teilweise zu langsam waren.

Aber nun zum Spiel gegen den SC Magdeburg. Vor dem Spiel hatte ich großen Respekt vor der Magdeburger Abwehr, da diese bekannt ist für ihre harte Arbeit. Wir starteten sehr konzentriert und konnten uns nach einer Viertelstunde mit vier bis fünf Treffern absetzen. Was es heißt, einen guten Torhüter hinter sich zu wissen, haben wir gemerkt: Mario Huhnstock hielt sehr gut, wodurch wir schnelle Tore über den Gegenstoß und die zweite Welle erzielen konnten.

Zur Halbzeit lagen wir mit sieben Toren vorn, aber ich hatte noch unser Spiel gegen den TV Korschenbroich aus der vergangenen Zweitliga-Saison im Hinterkopf, als wir nach 30 Minuten mit neun Toren führten, aber am Ende mit einem Tor verloren. Aber von einem Aufbäumen der Magdeburger war am Samstag nichts zu spüren.

Am Ende gewannen wir verdient mit 40:31 - der Jubel war nach sechs verlorenen Spielen in Folge natürlich riesig. Für mich persönlich war es der erste Sieg mit dem Bergischen HC in der 1. Liga, da ich beim 29:28 gegen Hannover am 2. Spieltag wegen eines Magen-Darm-Infekts nicht hatte mitwirken können.

In der kommenden Woche steht am Mittwoch das DHB-Pokalspiel der 3. Runde gegen Friesenheim auf dem Programm, ehe wir am Freitag gen Göppingen aufbrechen werden, wo wir Samstag spielen. Erfreulich ist zudem, dass wir erstmal die Abstiegsplätze verlassen haben.

Bis bald,
Peke

Netter Empfang in Kiel

Kieler Sekt

19. September 2011

Wir sind bereits am Samstagmorgen gen Kiel gestartet. Wir hatten dieses Mal einen Nobel-Bus, womit sonst nur Bands wie Tokio Hotel oder Stars wie Herbert Grönemeyer reisen. Einen Eindruck bekommt Ihr mit Hilfe eines kleinen Videos. Was zählt, war jedoch das Spiel, das mit einer 18:34-Niederlage beim THW Kiel unerfreulich endete. Für mich war das trotzdem ein sehr besonderes Erlebnis.

Vor dem Anpfiff wurde ich in der Sparkassen-Arena nett empfangen, was ich nicht unbedingt für selbstverständlich halte, da meine Zeit in Kiel alles andere als rosig war. Ich durfte 60 Minuten spielen - bis auf meine drei Fehlwürfe, denke ich, dass ich das ganz gut gemacht habe.

Von THW-Trainer Alfred Gislason („Hendrik Pekeler hat heute ordentlich gespielt. Er hat unter Hans-Dieter Schmitz eine ordentliche Entwicklung gemacht. Dass er Talent hat, habe ich ja oft genug gesagt.”) und dem Kieler Geschäftsführer Klaus Elwardt („Unsere Mannschaft hat einen ganz hervorragenden Handball gespielt. Die Partie hatte zwei Gewinner: Andreas Palicka hat gezeigt, dass er ein hervorragender Torwart ist. Und Hendrik Pekeler nimmt eine sehr positive Entwicklung. Das freut uns.”) habe ich später lobende Worte mitbekommen. Sie sind sind wohl mit meinem jetzigen Weg zufrieden. Das freut mich, wobei ich mich immer noch weiter verbessern will.

Leider konnten wir gegen Kiel als Mannschaft nicht viel ausrichten. In der ersten Halbzeit haben wir genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten: lange spielen, bis wir eine echte Torchance bekommen. Und das vor allem, um den THW nicht zu schnellen Gegenstößen einzuladen. Uns hat leider auch das Wurfglück gefehlt, wobei Andreas Palicka auch sehr stark gehalten hat. In der Halbzeitpause haben wir dann noch einmal unseren Plan besprochen und gesagt, auch Tempo machen zu wollen. Der Schuss ging leider nach hinten los, denn der THW startete mit einem 10:1 Lauf, und das Spiel war endgültig gegessen.

Inzwischen bin ich wieder daheim in Solingen gelandet. Mir tut alles weh, obwohl ich nicht denke, dass die Kieler sehr hart gegen mich gespielt haben. Mitgebracht aus Kiel habe ich eine Flasche Sekt, die ich nach dem Spiel als „Man of the Match” bekommen habe - und das, obwohl ich Alkohol für mich komplett gestrichen habe. An diesem Montag steht nur regeneratives Krafttraining auf dem Programm, da wir Mittwoch in Heilbronn zum Pokalspiel antreten müssen.

Bis bald,
Peke

Gänsehaut in der Unihalle

14. September 2011

Unser erstes Heimspiel dieser Saison hätte ich mir anders vorgestellt. Klar: Das 29:28 gegen die TSV Hannover-Burgdorf hat mir sehr gefallen, aber ich hätte dabei gern meinen Beitrag geleistet. Wegen eines Magen-Darm-Infekts musste ich jedoch am Sonntag zuschauen. 2720 Zuschauer waren da, um den Bergischen HC in der Bundesliga zu erleben. Ich hatte Gänsehaut, so großartig war die Stimmung.

Seit gestern bin ich wieder im Training. Ich merke, dass mir noch einige Körner fehlen. Der Infekt hat mich sieben Kilogramm gekostet - und die muss ich irgendwie wieder drauf bekommen.

Unsere nächste Aufgabe ist am Sonntag das Spiel beim THW Kiel. Auf der einen Seite freue ich mich, wieder nach Kiel zurückzukommen - auf der anderen Seite habe ich auch ein mulmiges Gefühl, da ich zwei Jahre dort gelebt und sehr wechselhafte Erfahrungen gesammelt habe. Und sportlich präsentiert sich der THW momentan sensationell.

Wir werden uns das Spiel der Kieler gegen Frisch Auf Göppingen am Mittwoch bei Sport1 in der Gruppe Gräfrath anschauen. Das sind Kristian Nippes, Runar Karason, Kenneth Klev, Jens Reinarz, Kristoffer Kleven Moen, Henrik Knudsen und ich, da wir dort alle quasi um die Ecke wohnen.

Bis bald,
Peke

Einfach überrollt

9. September 2011

Mittwoch war unser erster Bundesliga-Spieltag. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den in so guter Erinnerung behalten werde.

Wir sind um 15 Uhr in Wuppertal gestartet. Kurz vor Lemgo haben wir um 18.30 Uhr einen kurzen und letzten Stop eingelegt, um uns noch mal mit Kaffee, Kuchen und Nudeln zu stärken. Leider hat die Energie nicht gereicht, um wenig später die Aufgabe zu lösen.

4200 Zuschauer in der Lipperlandhalle: Du kannst dir das noch so oft vorstellen, aber es ist einfach etwas ganz anderes, vor so vielen Fans zu spielen, anstatt in der 2. Liga vor 800 bis 900 Zuschauern aufzulaufen. Ich habe nur ein einziges Mal mit dem THW in Kiel vor so einer großen Kulisse gespielt, aber das hat mir am Mittwoch auch nicht geholfen.

Wir sind gegen den TBV Lemgo schlecht ins Spiel gekommen. Die erste Halbzeit endete mit 9:17 - wir wurden einfach überrollt und wussten nicht, was wir machen sollten. Erst als Lemgo nach der Pause fast die komplette Mannschaft gewechselt hatte, waren wir auf gleicher Augenhöhe. Letztlich haben wir viel Lehrgeld bezahlt, da wir in der Vorbereitung einfach keine starken Gegner hatten. In der Bundesliga gibt es eine ganz andere Härte und vor allem ein viel höheres Tempo, als wir das bisher in der 2. Liga kennengelernt haben.

Ich habe rund 45 Minuten gespielt. Es war schon ein tolles Erlebnis, gegen gestandene Profis wie Preiß, Lichtlein, Strobel und Kehrmann zu spielen. Und es bleibt etwas mit Erinnerungswert: In der 17. Minute habe ich zum 5:9 mein erstes Bundesliga-Tor geworfen.

Bis bald,
Peke

Zweite Chance mit dem Bergischen HC

Ende August 2011

Turbulente Wochen liegen hinter mir. Und ich muss gestehen, dass ich bei aller Vorfreude auf den Saisonstart und die Spiele mit dem Bergischen HC in der Bundesliga zwischenzeitlich ziemlich handballmüde war. Am Montag nach dem WM-Finale von Thessaloniki und der Gold-Party hat es nur einen Kurzbesuch beim Training, verbunden mit einem Interview für das WDR-Fernsehen und einer Kiste Bier für die Mannschaft, gegeben. Danach blieben mir ein paar freie Tage, aber seit dem 5. August habe ich mit den anderen Jungs das volle Programm bestritten. Das kleine Tal nach Turnieren in Rotenburg an der Fulda und Weiden ist inzwischen durchschritten, und ich freue mich auf die Saison und die Chance, erneut in der stärksten Liga der Welt spielen zu können.

Wer meine Geschichte kennt, weiß, dass ich erst seit einem Jahr in Solingen-Gräfrath lebe und vorher bereits beim THW Kiel war. Ich habe damals allerdings weder wie ein Profi gelebt, noch begriffen, dass ich im besten Verein der Welt spielen konnte. Mit dem Bergischen HC habe ich nun eine zweite Chance bekommen. Mein Ziel ist es, bester Kreisläufer in Deutschland zu werden. Und ich setze alles daran, dass ich das schaffe. Die Weltmeisterschaft war ein erster Schritt, aber jetzt muss ich mich gemeinsam mit dem BHC in der Bundesliga etablieren.

Inzwischen habe ich deshalb auch das letzte Laster aufgegeben - seit etwa drei Wochen bin ich rauchfrei. Unser Trainer Martin Heuberger hat mir noch in Griechenland einen deutlichen Hinweis gegeben, dass ich ohne Zigaretten deutlich bessere Chancen auf meinem weiteren Weg habe. Dass ich dabei auch einige Euro sparen kann, ist auch nicht schlecht, oder?

Bis bald,
Peke

HM
handballtraining junior

Themen HM 05/2012

  • Die Jagd der Füchse: Mit mittelmäßigem Etat und klugen Köpfen haben sich die Berliner unter den Besten etabliert
  • Ich war und bin ein Teamplayer: Kapitän Pascal Hens über alte Grundsätze, neue Umstände und seinen Wandel
  • Mythos Final Four: Wie der angestaubte Wettbewerb um den DHB-Pokal zu einem der größten Handballevents wurde
  • Die Könige Europas: 2002 gewann der SC Magdeburg als erste deutsche Mannschaft die Champions League
  • Dieser Ungar bei Barca: Linkshänder László Nagy über London, Basketball und das Leben in einer Weltstadt
  • Leute, Leute: Falko Winkler, Johan Petersson, Bertrand Gille, Jim Gottfridsson und Sina Bergner
  • Tollkühne Männer in den Kästen: Torhüter-Legenden aus fünf Jahrzehnten - Auftakt der neuen HM-Serie
  • Alles auf eine Karte: Wo ist der Besuch eines Bundesligaspiels für Familien noch erschwinglich?
  • Rabattfreie Zone: Die Frauen aus Deutschlands bekanntester Outletcity Metzingen drängen in die 1. Liga
  • Für den Schulterschluss: Mit ihrem Trainersymposium hilft die HBL wieder Jugendarbeitern und Top-Talenten