Mit dem VELUX EHF FINAL4 erreicht die Champions League ein neues Niveau. Aus einem angestaubten Europapokal ist längst ein Weltprodukt geworden
Von Tim Oliver Kalle
Dass Angebote bisweilen aufgehübscht werden müssen, um im Kampf um den Kunden erfolgreich zu bleiben, weiß jeder Kaufmann. Manchmal reicht ein Schleifchen, um das Interesse zu wecken oder zu verstärken – was bis auf ganz wenige Klassiker wie Meister Proper oder Johnny Walker jedoch nicht funktioniert, ist, alles über die Jahre unverändert zu lassen. Die Europäische Handball-Förderation arbeitet zwar nicht mit Schleifchen, aber den in die Jahre gekommenen Europapokal der Landesmeister hat sie als Champions League fein herausgeputzt. Jüngster Schritt der Entwicklung ist seit 2010 ein Final-Four-Wochenende, um den wichtigsten Vereinswettbewerb mit einem Donnerhall zu beschließen.
Der Zauber der Premiere verfängt noch immer. Natürlich haben sich die Bilder aus der Kölner Arena vor allem den Sympathisanten des THW Kiel ins Gedächtnis gebrannt. In zwei hinreißenden Partien entledigten sich die Zebras der spanischen Herausforderer Ciudad Real und FC Barcelona und eroberten zum zweiten Mal nach 2007 die kontinentale Krone. An beiden Tagen sahen jeweils knapp 20000 Fans zu; die Bilder wurden weltweit ausgestrahlt. Selbst Barcelonas geschlagener Trainer Xavi Pascual räumte ein: „Dieses Turnierwochenende war ein großer Erfolg. Gratulation an die EHF für dieses großartige Event und die Organisation.”
Jene Tage Ende Mai 2010 waren der bisherige Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, die 1957 mit einem Städtevergleich ihren Anfang nahm. Erst mit Gründung der EHF Ende 1991 begann der Aufstieg des in die Jahre gekommenen Wettbewerbs zu einem Weltprodukt. Wenn am 28. und 29. Mai zum zweiten Mal Europas Top-Klubs zum VELUX EHF FINAL4 in Köln zusammenkommen, ist ein neuer Showdown der Superlative zu erwarten.
Ein Indiz für den zu erwartenden Erfolg der zweiten Auflage ist die Lage auf dem Ticketmarkt. „Wir sind bereits sehr gut ausgelastet. Es gibt nur noch Kontingente für die vier teilnehmenden Klubs”, sagt David Szlezak. Der ehemalige österreichische Nationalrechtsaußen ist seit einigen Monaten für das VELUX EHF FINAL4 zuständiger Manager, in seinem Wiener Büro laufen die Fäden der Organisation zusammen. Rund 40 Mitarbeiter sind bereits mit dem letzten Wochenende im Mai beschäftigt.
Der Aufwand bewegte sich auch in einer anderen Dimension, weil das Final Four mehr ist als die Summe großer Spiele. Spezielle VIP-Pakete, die auch die am Freitag, 27. Mai stattfindende EHF-Gala, persönliche Treffen mit Event-Botschafter Stefan Lövgren und unterschriebene T-Shirts des jeweiligen Lieblingsspielers einschließen, haben nicht nur ihren Preis, sondern auch einen enorm hohen Planungsbedarf. Der europäische Verband nutzt das sportliche Highlight, um in Köln einen außerordentlichen Kongress stattfinden zu lassen; auch weitere Gremien tagen rund um die Finalspiele und geben dem Termin sportpolitische Bedeutung.
Zudem präsentieren die EHF und deren Marketing-Tochter EHFM während der tollen Kölner Tage alten und neuen Partnern gezielt ihr Top-Produkt für den Klubhandball. „Alles läuft bis jetzt in guten Bahnen”, sagt Szlezak. „Langsam beginnt jedoch der Stress – die Schlagzahl wird höher.”
Im Rückblick muten angesichts des Umfangs des VELUX EHF FINAL4 die Ereignisse im Herbst 2006 beschaulich an: Damals gastierte die EHF mit der Vereins-Europameisterschaft erstmals in Köln. Das Turnier ähnelt aus heutiger Sicht einem heimlichen Testlauf unter Laborbedingungen. Das Schlusswochenende der Champions League 2011 hat jedoch ein ganz anderes Format und findet weltweiten Widerhall.
Mehr Infos unter www.ehfFINAL4.com
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