
6. März 1976, Karl-Marx-Stadt: DDR gegen BRD, der Kampf um die Teilnahme an den Olympischen Spielen – die persönlichen Geschichten um einen legendären Siebenmeter
Von Tim Oliver Kalle
„Das Leben”, sagt Hans Engel, „ist nicht schwarz oder weiß. Das Leben ist grau.” Mit 57 hat man das längst erkannt. Dabei erscheint alles so klar in dieser Biografie, so verführerisch schwarz oder weiß – je nach Blickwinkel. Engels Karriere konzentriert sich auf einen Moment in den frühen Abendstunden des 6. März 1976. Das Duell zweier Männer in Chemnitz, das damals Karl-Marx-Stadt hieß, ist eine Geschichte aus einer Zeit, in der man Deutschland noch in zweimal drei große Buchstaben aufteilen musste: DDR und BRD. Der Auftrag des Sportlers Engel war klar, er musste mit einem Siebenmeter den ideologisch verlangten Nachweis antreten, dass der Osten das bessere Deutschland sei – doch das linke Knie des bundesdeutschen Torwarts Manfred Hoffmann zuckte. Ein Staatsplan geriet ins Wanken, das 11:8 der DDR reichte nicht, um die 14:17-Niederlage von München auszugleichen. So reiste die BRD zu den Olympischen Spielen nach Montreal, und die starken Männer der DDR sanken nach „diesem Schicksalsspiel”, wie es der damalige Assistenz- und spätere Cheftrainer Paul Tiedemann noch heute nennt, schockiert zu Boden.
Diese Szenen haben sich tief eingegraben ins Gedächtnis jener Generation. Es ging nicht nur um die Spiele im Zeichen der Ringe oder die Schmach der tief getroffenen Funktionäre; was vor allem schmerzte, war der verpasste Besuch des amerikanischen Kontinents. „Als gelernte DDR-Bürger wollten wir nach Montreal”, sagt Engel. „Der Anreiz war für uns wesentlich größer als für die Spieler der BRD. Die hätten ja auch privat reisen können.”
Die Ereignisse des deutsch-deutschen Duells kulminierten letztlich in einem Siebenmeter, den Peter Rost nach 65 Minuten gegen Horst Spengler herausgeholt hatte. Eigentlich sollte jetzt die Stunde der Alten schlagen. Die schwarz-weißen Fernsehbilder zeigen, wie Rainer Ganschow, damals 31, erfahren in über 200 Länderspielen und neben Wolfgang Lakenmacher routinierteste Kraft, mit dem Ball zielstrebig zur Marke geht. Sie zeigen nicht, wie er ihn Engel in die Hand drückt. Zu sehen ist Ganschow erst wieder als letzter DDR-Spieler in Engels Nähe, die Hände entschlossen in die Hüften gestemmt. Um den Werfer muss es einsam gewesen sein. „Lakenmacher”, sagt Engel, „war nicht mehr zu sehen. Der war in der Kabine oder sonst irgendwo verschwunden.” Trainer Heinz Seiler hatte seinem Linksaußen längst Order gegeben: „Geh hin und schieß!” Um 18.45 Uhr entschieden sich Wohl und Wehe zweier Mannschaften und ihres Umfeldes. „Jeder hat mit dem Schicksalsschlag zu kämpfen gehabt”, sagt Tiedemann. „Dem Hans haben wir nur gesagt: Mach dir nicht zu viele Sorgen.”
Horst Spengler und Joachim Deckarm kannten Karl-Marx-Stadt bereits. Zwei Jahre zuvor hatten sie dort mit der DHB-Auswahl bei der WM gespielt; die Niederlagen gegen Dänemark und die CSSR stürzten den bundesdeutschen Handball in die Zweitklassigkeit und eine tiefe Krise. Die „sportliche und finanzielle Geschichte”, erinnert sich Manfred Hofmann, „war desaströs”, als der Kroate Vlado Stenzel das Amt des Bundestrainers von Horst Käsler übernahm und eine junge Mannschaft um Joachim Deckarm, Heiner Brand und Kurt Klühspies aufbaute. Die namenlose Truppe hatte große Ziele und einen starken Willen, musste sich jedoch anfangs „auf internationalem Parkett als Neuling verprügeln lassen”, erzählt Hofmann.
1975, bei einem der ob ihrer Intensität legendären Lehrgänge in der Sportschule Steinbach, erreichte die Kunde vom deutsch-deutschen Los in der Olympia-Qualifikation die Trainingsgruppe. Stenzel ließ seine Spieler der Größe nach antreten und sagte nur: „Wir machen eine gute Vorbereitung. Die Jungs da drüben machen bestimmt Fehler.”
Auf dem Urlauberschiff Völkerfreundschaft war den herausragenden Athleten des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR eine launige Reise vergönnt, um den olympischen Geist zu wecken. Auch die noch nicht qualifizierten Handballer nahmen an der Kreuzfahrt im Mittelmeer teil. Mit „Wurftraining auf dem Oberdeck”, erinnert sich Axel Kählert, erhielten sie ihre Form. „Wir hatten ja großen Parteiauftrag, bis 1980 zu spielen.”
Kählert, der lange Linkshänder, bekam lange vor den Olympischen Spielen in Moskau die Folgen des finalen Fehlwurfes zu spüren. Im Rückspiel der Montreal-Qualifikation gelang ihm kein Feldtor, zudem vergab auch er gegen Hofmann einen Siebenmeter. „In der Auswertung hatte man mich am Wickel”, sagt Kählert. „Man lernt seine Freunde kennen. Wer die falschen sind, sieht man dann auch”, sagt Peter Rost, der nach Karl-Marx-Stadt kurz an Rücktritt dachte, den Gedanken jedoch verwarf, zu jenen Tagen.
Kählert, der bisweilen locker mit den Anforderungen des Leistungssports umging, zog bittere Lehren. Zurück bei seinem Klub SC?Leipzig geriet er wenige Monate später nach dem Europapokal-Aus gegen ZSKA Moskau erneut in die Kritik. Kählert kündigte. Schriftlich. „So einen Schritt gab es noch nicht”, sagt er. Mit einer vierzeiligen Notiz in der Fachzeitschrift Sportecho unter „Dies und das” endete am 10. Dezember 1976 seine leistungssportliche Karriere. „Und damit begann meine zweite Geschichte, die mir gezeigt hat, welche Machtverhältnisse es gab.” Kählert, noch nicht 26, musste zur Armee, wo er anderthalb Jahre „mit der Knute bearbeitet” wurde. Den Wunsch, Handball zu spielen, konnte er sich nur bei Dynamo Halle/Neustadt erfüllen – einem Betriebssportverein des Ministeriums für Staatssicherheit. Der MfS-Offizier spielte dort erfolgreich und „lehrte die großen Klubs das Fürchten”, als Halle in die Oberliga aufgestiegen war. In den ersten Spielen war er noch gesperrt gewesen, um die Rangfolge der Klubs mit seiner Wurfkraft nicht unerwünscht durcheinander zu bringen. Heute lebt Kählert als Inhaber von Getränkehandel, Tabakbörse und Reisebüro in Halle. Von der Handball-Geschichte wird er „immer wieder eingeholt. Die hat so einen Kultstatus, ähnlich gelagert wie Sparwassers Tor bei der Fußball-WM ’74 gegen die BRD.”
Als Magier ging Vlado Stenzel erst später in Sportgeschichte ein. Der Titel Messias, den ihm der Sportinformationsdienst nach dem Triumph von München verlieh, beschreibt das Verdienst des Kroaten ohnehin besser. Stenzel, 1972 mit Jugoslawien in München bereits Olympiasieger, brachte mit erhöhten Trainingsumfängen mehr Professionalität ins Spiel; er gab dem bundesdeutschen Handball Substanz und verringerte den Abstand zur osteuropäischen Konkurrenz. „Durch die Stenzel-Geschichte ist da Leben reingekommen”, sagt Klühspies. Doch was hätte der Heilsbringer und Motor Stenzel noch bewirken können, wenn ihm 1976 der Erfolg als Treibstoff gefehlt hätte? „Jener 6. März bedeutete für uns die Rückkehr in die Erstklassigkeit”, erinnert sich der heutige Bundestrainer Heiner Brand in seiner Autobiografie InTeam. „So trivial es auch klingen mag: Ein einziger Reflex, eine Kniespitze, die von Manfred Hofmann nämlich, entschied über ein Jahr harte Arbeit, … darüber ob alles richtig oder falsch war.” Hofmann glaubt heute, ein „Scheitern in Karl-Marx-Stadt hätte bei uns alles in Frage gestellt”. Der Großwallstädter soll sogar an einen Rücktritt gedacht haben. Solche Gedanken finden auch im Rückblick keinen Platz bei Klühspies. „Wir waren reif, dass etwas entstehen konnte”, sagt der 54-Jährige. „Wir wären auch den anderen Weg weitergegangen. Dafür waren wir zu stark.”
Man konnte die Macht im Sport der DDR auf eine Person reduzieren: Manfred Ewald. Der Präsident des DTSB bestimmte die Geschicke der Athleten, und diese hatten unter der Prämisse des größtmöglichen Erfolges zu handeln. „Eigentlich war es eine Besonderheit, dass Ewald den Handball gefördert hat”, sagt Eckhard Galley, Sportredakteur des Zentralorgans Neues Deutschland. „Ein Hammerwerfer war billiger.” Man habe fast diskutiert, ob Handball überhaupt noch unterstützt werde, erinnert sich Wolfgang Böhme, doch letztlich ging der Betrieb weiter. Aus Heinz Seiler wurde binnen weniger Stunden der Obertrainer aller Mannschaften, für die A-Auswahl zeichneten fortan Paul Tiedemann und dessen Assistent Klaus Langhoff verantwortlich.
Nur wenige Tage nach dem Ende des olympischen Traums musste der DDR-Tross beim Karpatenpokal in Rumänien antreten. „Ich selbst und die Spieler konnten gar nicht so lange Luft holen”, sagt Tiedemann. Engel reiste nicht mit nach Baia Mare und erholte sich in Frankfurt/Oder. Die Pause von der Nationalmannschaft hatte er sich bereits vorher ausbedungen. Sein Fehlwurf bewegte auch die bundesdeutschen Fernsehzuschauer. Aus dem Schwarzwald erreichte ihn eine Einladung, dort eine Woche mit seiner Familie zu verbringen – der Armeesportler durfte sich den Brief nur vorlesen lassen. „Ich hatte keine Adresse. Sonst”, sagt er, „hätte ich mich wenigstens bedankt.”
Etwas später als die anderen kehrte auch er zur Normalität zurück. Zwei Tage, bevor die Mannschaft der UdSSR im Sommer 1976 nach Montreal flog, hatte die DDR den großen Bruder noch in Moskau besucht. Beide Tests gewann der gescheiterte Qualifikant gegen den späteren Olympiasieger. Im Rückblick sagt Langhoff: „Wir haben trotzdem sehr lange gebraucht, um die neue Mannschaft leistungsfähig zu machen.” Das alles ging einher mit einem Stilwechsel vom schematischen zum kreativen Spiel. Nach Platz zwei bei der B-WM 1977 in Österreich betrat die DDR wieder den Kreis der Besten.
Den freien Sommer 1976 nutzte Wolfgang Böhme für ein dringendes privates Anliegen: Er heiratete seine Freundin Ute Rührold, eine Rodlerin, die 1976 in Innsbruck olympisches Silber gewann. Die Geschichte war nicht mit dauerhaftem Glück verbunden, die Ehe scheiterte, das System erkannte in dem unangepassten Linkshänder einen Feind der Republik, und DTSB-Präsident Ewald höchstselbst beendete wenige Monate vor Moskau Böhmes Karriere. Heute wohnt der 56-Jährige in Basel, arbeitet dort als Sportlehrer, trainiert eine recht erfolgreiche U21-Mannschaft und fährt an den Wochenenden zu seiner Familie nach Bückeburg.
Die Verhältnisse zwischen Osteuropa und dem Rest der Welt waren in den frühen siebziger Jahren geklärt – zu Lasten des Westens. Erst Stenzels junge Männer rüttelten an diesem Fundament. „Wir waren die einzige westeuropäische Mannschaft, die im Osten mithalten konnte”, sagt Hofmann. Auch Schweden und Dänen, Franzosen und Spanier erlebten zum Teil erstmals, wie sich gegen vermeintlich übermächtige Gegner etwas bewegen ließ. Vielleicht waren Deckarm und seine Mitstreiter auch für spätere Stars wie Magnus Wislander und Staffan Olsson im Schüleralter ein Anstoß. „Wir haben jedenfalls den Welthandball spannender gemacht”, sagt Hofmann. „Der WM-Titel 1978 war erst ein Anfang. Wir hätten noch ein ganzes Jahrzehnt spielen können.” Doch der Boykott der Olympischen Spiele von Moskau erschütterte den DHB. Kählert hat noch einen Spruch von Heiner Brand im Ohr. „Lasst mal. Jetzt fahren wir nach Montreal und ihr 1980 nach Moskau”, soll der Gummersbacher am 6. März 1976 gesagt haben. Worte, die sich auf ungeahnte Weise erfüllen sollten.
Seit 1969 lebt Hans Engel mit seiner Frau Helena in Frankfurt/Oder. Der Beruf hat den Inhaber von zwei Sportgeschäften mit den alten Gegnern zusammengeführt. Klühspies sieht er regelmäßig auf der Sportartikelmesse ISPO in München. Die Geschichte mit seinem Siebenmeter bekommt er oft zu hören. „Bei uns gab es immer den Spruch, den Hans haben sie nach Sibirien geschickt”, sagt Klühspies. „Nach der Wende war er sofort da – so weit weg konnte er nicht gewesen sein.”
Es ist die Frage nach den persönlichen Folgen seines Fehlwurfes, die er immer wieder beantworten muss. „Wenn ich den Ball reingeschossen hätte, wäre es mir nicht anders gegangen”, sagt Engel. Schikanen habe er nicht gespürt, als Reisekader besuchte er weiter das kapitalistische Ausland. „Bei Sanktionen hätte sich der DTSB der Gefahr ausgesetzt, dass ich abgehauen wäre”, sagt Engel, der jedoch keine Chance mehr bekam, sich mit der Geschichte zu versöhnen. Am 3. Mai 1980 durfte er noch zum Olympia-Test in einer B-Mannschaft auflaufen, 14 Tore warf er beim 24:18 gegen Tunesien. Es war sein letztes Länderspiel. Seinen Platz übernahm der variablere und jüngere Rainer Höft, der einzige Vertreter des SC?Dynamo Berlin neben der mit drei Spielern noch immer starken Fraktion des ASK Vorwärts Frankfurt/Oder. Als die DDR am 30. Juli in Moskau olympisches Gold gewann, war Engel nur noch ein ferner Beobachter. Trotzdem sagt er: „Der Handball, das waren die schönsten Jahre meines Lebens.”
Zitate:
„Alle lagen enttäuscht am Boden, weil sie damit gerechnet hatten, dass die vielen
Stunden Quälerei in Steinbach nicht belohnt werden. Ich war ganz ruhig. Das war eine Ausnahmesituation, in der ich mich nur auf den letzten Wurf konzentriert habe. Danach stürzte eine ganze Welt auf mich ein. Ich hatte kaum noch Luft zum Atmen.”
Manfred Hofmann, 58, DHB-Nationaltorwart
„Der Engel hat versagt. Als Torwart muss man solche Bälle halten. Mit Engel habe ich noch am selben Abend gesprochen. Er war völlig geklatscht. Sein Siebenmeter war der i-Punkt, aber es gab zig andere Gründe für das Ausscheiden. Dass Außenstehende alles an Engels Fehlwurf aufgehängt haben, war einfach ungerecht.”
Klaus Pohlenz, Handball-Chef des Sportechos
Nach dem großen Münchner Vorspiel mussten Stenzels Spieler so lange wie nie zuvor kämpfen
Von Tim Oliver Kalle
Sieben, acht, neun, zehn – klasse! Einheitliches Klatschen. Der gesteuerte Beifall. „Das habe ich noch ein bisschen in der Birne”, sagt Kurt Klühspies. In Karl-Marx-Stadt schickte sich die DDR an, eine unerwartete Last abzutragen. 14:17 hatte die Mannschaft von Trainer Heinz Seiler am 20. Dezember 1975 vor 10500 Zuschauern in der Münchener Olympiahalle gegen die BRD verloren – für den zweimaligen WM-Zweiten eine völlig überraschende, aber noch nicht verheerende Pleite, die es drei Monate später aufzuarbeiten galt.
„Dass wir im ersten Spiel, wo es um etwas ging, so auftrumpfen würden, das muss man erstmal verdauen”, sagte Heiner Brand nach München. Die unterschiedliche Erfahrung ließ sich messen: 294 Länderspielen der BRD-Männer stand die Routine von 1128 internationalen Einsätzen gegenüber. Die hohe Wertschätzung ergibt sich erst in der Rückschau, wenn zum Beispiel Olympiasieger Lothar Doering sagt: „Die Bundis waren eine Top-Mannschaft.”
Weil die DDR in München mit einem ungewohnten Nadelfilzbelag zu kämpfen hatte, versprach Seiler fürs Rückspiel „Asphalt mit tiefen Schlaglöchern”. Allein die Wahl des Spielorts Karl-Marx-Stadt war Teil des psychologischen Vorspiels – schließlich hatte die BRD dort zwei Jahre zuvor bei der WM herbe Niederlagen erlitten. „Uns schlug eisiger Wind entgegen, als wir in die umfunktionierte Eissporthalle kamen. Alles, was westdeutsch war, wurde von Anfang an niedergeschrien”, erzählte Stenzel später. Augenzeugen sprachen später vom „Klassenkampf auf dem Parkett”, ein westdeutscher Journalist empfand das Spiel vor 4700 Zuschauern als „physischen und psychischen Schlagabtausch”, und Torwart Manfred Hofmann sagte: „Das war Krieg mit anderen Mitteln.”
Die Geschichte des überharten Vergleichs ist schnell erzählt: Kurz vor Ende der ersten Halbzeit führten die Gastgeber mit 7:2, doch Joachim Deckarm hauchte seiner Mannschaft mit zwei Toren, darunter ein direkt verwandelter Freiwurf, neues Leben ein. Als Deckarm auf 8:9 verkürzte, schien die Olympia-Frage geklärt, doch das Kampfgericht verlängerte das Drama. „Sieben Uhren”, staunte DHB-Präsident Bernhard Thiele, „lagen auf dem Zeitnehmertisch.” In der 65. Minute entschieden die schwedischen Schiedsrichter Carl-Olof Nilsson und Leif Olsson zum dritten Mal in Folge auf Siebenmeter. Zwei Strafwürfe hatte Hans Engel verwandelte, der dritte war Hofmanns Beute. Dass der BRD die Drei-Tore-Niederlage zur Qualifikation reichte, war ein regeltechnisches und viel diskutiertes Kuriosum – nach dem unentschiedenen direkten Vergleich zählte nicht wie im Europapokal die Zahl der auswärts mehr erzielten Tore, sondern die Gesamttordifferenz. Und da waren Stenzels Spieler gegen Belgien einfach konsequenter gewesen.
Nach der Partie hatte Günther Gaus, Staatssekretär der Ständigen Vertretung der BRD in Ost-Berlin, noch zu einem Empfang in der Bar des Hotels Kongress geladen. Zu später Stunden schauten dort auch die DDR-Spieler Wolfgang Böhme, Axel Kählert, Peter Rost und Jürgen Hildebrand vorbei. „Unter Sportlern gab es keine Feinde”, sagt Böhme. Der Ausflug hatte jedoch ein Nachspiel und führte zum Rapport bei DTSB-Präsident Manfred Ewald. Böhme: „Wir standen kurz vor dem Rausschmiss.”
Zitat:
„Das war ein richtiger Sportklassenkampf. Damals ging es um ein großes gesellschaftspolitisches Interesse, heute um Geld. Das ist kein Deut milder, eher schärfer als in der DDR.”
Eckhard Galley, 66, ehemaliger Sportredakteur des SED-Zentralorgans Neues Deutschland
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