
Gundolf Porr war als viermaliger Torschütze der Held der TSG Haßloch. Doch trotz des Triumphes unter freiem Himmel bevorzugte der Torjäger das Spiel in der Halle
Interview: Tim Oliver Kalle
Er war der beste Torschütze seines Teams im letzten Finale um eine Deutsche Meisterschaft auf dem Feld, doch berühmt wurde Gundolf Porr nicht. Dass gegen Nettelstedt die Sensation gelang, erstaunt den Angreifer der TSG Haßloch noch immer. „Zweimal Training in der Woche war damals Standard”, sagt Porr. „Im Rückblick ist unser Erfolg noch überraschender.” Heute lebt der 52-Jährige als selbstständiger Mediengestalter in Germersheim. Alle fünf Jahre trifft er sich mit den anderen Helden von 1975 im 20 Kilometer entfernten Haßloch.
HM: Herr Porr? Gundolf Porr, der Feldhandballer?
Porr: Ja, da sind Sie richtig.
HM: Sie sind schwierig zu finden. Nicht mal im Internet gibt es was über Sie.
Porr: Warum auch?
HM: Immerhin sind Sie eine prominente Person der Sportgeschichte.
Porr: Och, vielleicht bin ich das hier im regionalen Raum gewesen.
HM: Weil Sie Zeit Ihrer Karriere nur für die TSG gespielt haben?
Porr: Ich war nur Haßlocher. Mit 29 war dort Schluss, und danach kamen noch fünf Jahre als Spielertrainer in Lingenfeld.
HM: Was Sie vor 30 Jahren geleistet haben, ist doch ziemlich in Vergessenheit geraten.
Porr: Ich allein war’s ja nicht; sondern die ganze Mannschaft. Ohne die wäre nichts gegangen. Damals war unser Erfolg sehr überraschend, weil beim Gegner Nationalspieler wie Lübking, Möller und Lazarevic gespielt haben.
HM: War es ein spezieller Zauber, der Ihnen half, die Stars zu schlagen?
Porr: Ein Trick war nicht dabei. Wir haben an uns geglaubt. Und unsere Kameradschaft hat uns immer ausgezeichnet. Die TSG Haßloch war unser Leben. Wir haben viel unternommen, die Spielerfrauen waren immer dabei – wenn das alles stimmt, kann man Berge versetzen.
HM: Welche Erinnerungen haben Sie an den 10. August 1975?
Porr: Vor allem denke ich an die Hitze. Und dann an die vielen Menschen. Vor so einem Publikum hatten wir noch nie gespielt, aber nach dem Anpfiff war es ein normales Spiel.
HM: Und die Party?
Porr: Das ging nach dem Endspiel los und hat ein paar Wochen gedauert. Ein Fest hat das andere abgelöst.
HM: Was hat Ihnen der Erfolg fürs Leben gebracht?
Porr: Es war ein Höhepunkt, den ich nie vergessen werde. Aber mein Leben hat vorher und nachher gestimmt. Auch nach einer Niederlage hätte sich nichts geändert.
HM: Nach Ihnen wurde der Feldhandball abgeschafft. Sie konnten den Titel nicht verteidigen.
Porr: Das war schon schade. Ein Jahr zuvor wären wir als Südwestmeister eigentlich in die Bundesliga aufgestiegen, doch die hatte man da gerade eingestellt. Aber es war schon richtig, dass sich der Verband auf das Spiel in der Halle konzentriert hat.
HM: Lieben Sie das Spiel in der Halle genauso wie das auf dem Feld?
Porr: Also ehrlich gesagt, ich habe die Halle immer mehr gemocht. Das war einfach schneller. Auf dem Feld haben wir mitunter doch recht lange rumgestanden.
TSG Haßloch: Dieter Boos; Klaus Bachofner (1 Tor), Gerd Leidig, Jürgen Unruh, Horst Stahler (1), Willi Leibl (2), Hans Jung, Peter Frisch (2), Heiner Würth (2), Gundolf Porr (4), Karl-Heinz Hubach (2), Richard Schüle (1), Roland Janz
TuS Nettelstedt: Willi Möhle, Heinz Becker; Horst Selle, Heiner Möller (1), Herbert Nottmeier, Helmut Hucke, Herbert Heuer, Günter Rubin, Jürgen Glombeck, Herbert Lübking (1), Jürgen Schulenburg (4), Thomas Falkenthal, Milan Lazarevic (6), Hans Schnepel, Rainer Gosewinkel (2)
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