Guillaume und Bertrand Gille. – Foto: picture-alliance

22.01.2010 - HM

Grenzerfahrungen

Ansichten zweier Olympiasieger in Diensten des HSV Hamburg: Die französischen Brüder Bertrand und Guillaume Gille über Lasten des Profilebens und Regeltreue im Spitzensport

HM: Sie sind Brüder, wohnen nah beieinander, verstehen sich sehr gut. Wird auch zuhause nur über Handball geredet?
Guillaume Gille (33): Nein, so karikaturenhaft sind wir nicht. Wenn wir nach Hause kommen, ist das Thema Handball abgehakt.
Bertrand Gille (31): Ich will meine Arbeit nicht mit nach Hause bringen.


Guillaume Gille: …mit unserer unglaublichen Belastung ist es schwierig, langfristig zu planen. … Der Reiz Nationalmannschaft ist da, ich habe viel Spaß an solchen Großereignissen.

HM: Bei 80 Spielen im Jahr bleibt nur verletzt Zeit zur Erholung.
Bertrand Gille: Das ist so. Wir können das beurteilen.
Guillaume Gille: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so bleibt. Wir schreien, beschweren uns, protestieren, fehlen verletzt – und alles, was wir kriegen, ist ein Tag mehr Freizeit bei EM und WM. Vielen Dank auch. Das ist wie ein Pflaster auf unseren Mund.
Bertrand Gille: Das Problem ist komplexer. Früher wollten wir mehr TV-Präsenz. Die haben wir jetzt. Leider auch mit allen Pflichten. Wenn wir Handball hinter Fußball etablieren wollen, müssen wir da durch. Wir sind jetzt in den Köpfen der TV-Macher. Jetzt wollen wir weniger Spiele, aber dafür mehr Qualität.
Guillaume Gille: Es ändert sich nichts, weil es nur wenige Spitzenspieler der Spitzenteams betrifft. Für Teams wie Balingen ist der Terminplan ja völlig okay.

HM: Handball ist ein harter Sport, aber durchdrungen von unglaublicher Fairness. Sonst würde wohl noch mehr passieren oder?
Bertrand Gille: Man kann das nicht vergleichen. Beim Fußball gibt es andere Unsportlichkeiten, die Einfluss auf das Spiel haben. Machst du eine Schwalbe und kriegst einen Elfmeter, kann das ein ganzes Spiel entscheiden. Das gibt es im Handball nicht.

HM: Vielleicht ist Handball deswegen fairer.
Guillaume Gille: Ach, man darf sich nicht blenden lassen. Im Profisport spielt man im Rahmen der Regeln. Du machst alles, was erlaubt ist oder was die Schiedsrichter durchgehen lassen. Und manchmal verletzt du die Regeln. Wir sind im Leistungsbereich, und da gehört das eben dazu. Das möchte man ungern den Kindern beibringen. Aber so ist die Realität der Sportwelt.

HM: Ihr Landsmann Thierry Henry hat sich als Handballer versucht und so Frankreichs Fußballer zur WM befördert. Wie bewerten Sie sein Verhalten?
Guillaume Gille: Es ist schlecht, wenn solch eine Szene eine WM-Qualifikation entscheidet. Ich finde allerdings, dass der Schiedsrichter versagt hat. Der hätte das sehen müssen. Den Druck auf Henry zu übertragen, ist zu billig. Sowohl Schiedsrichter als auch Spieler machen Fehler. Deshalb müssen beide die Fähigkeit haben, damit auch umzugehen.

HM: Sie verstehen Henry also?

Das komplette Interview mit den Gille-Brüdern, geführt von HM-Mitarbeiter Frank Heike, lesen Sie im aktuellen Handball-Magazin!


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