
22.01.2012 - EURO, Nationalmannschaft
Heute ruht aus deutscher Sicht das Geschehen bei der Europameisterschaft. Das ist sehr gut, damit sich alle wieder ein bisschen besinnen können
Denn heute vor einer Woche waren das Gros der Experten drauf und dran, die Nationalmannschaft und den deutschen Handball zu beerdigen, weil das Team von Bundestrainer Martin Heuberger das erste Spiel der EM-Vorrunde gegen Tschechien mit 24:27 verpatzte. Geschlossen erschien die Gruppe vielen nicht versetzungsfähig. Sieben Tage und vier Partien später ist wieder vom Halbfinale die Rede - boulevardesk gefragt: Deutschland mit Nieten auf dem Weg zum EM-Titel?
Halbfinale? Na klar! Deutschlands Handballer haben jetzt riesige Chancen, in Belgrad sogar das ganz große Ding zu drehen. Wer gegen Gastgeber Serbien sieben Tore Rückstand aufholt und drei Sekunden vor Schluss ausgleicht, dem ist einfach mehr zuzutrauen, als nur einen der beiden Startplätze in einem der drei Olympia-Qualifikationsturniere zu erreichen. So einem Ensemble ist sogar alles zuzutrauen.
Und damit lassen wir das Pendel mal wieder von der pessimistischen zur euphorischen Seite ausschlagen.
Mit Beginn jeder großen Meisterschaft verändert sich das Denken aller Beobachter: Wie sich ein Team entwickelt, ist nicht mehr interessant - es zählen nur noch Ergebnisse. Gedacht wird in Schwarz-Weiß-Kategorien, Zwischentöne werden nicht mehr wahrgenommen. Und im Schwarzsehen sind wir Deutschen ohnehin sehr stark. Daher haben wir uns auch vor dem Turnier schon damit beschäftigt, welche Vorteile ein Scheitern bei der Europameisterschaft für den deutschen Handball hätte. In der Rückschau in der jetzigen Euphorie unglaublich!
Natürlich ist jetzt nicht alles Gold, was glänzt - dafür hat die Nationalmannschaft am Dienstag gegen Mazedonien (24:23) zu weit über dem Abgrund geschwebt. Aber dieses Team entwickelt sich auch, weil Heuberger eben Heuberger bleibt und seinen Weg unabhängig von Schwarz-Weiß-Denkern geht.
Für die Wahrnehmung des Handballs hierzulande sind bereits die vergangenen Tage großartig gewesen: Zum Beispiel hat der Fanclub der deutschen Nationalmannschaft auf seiner Facebookpräsenz fast 30000 Sympathisanten gefunden, die sich von Silvio Heinevetter und Kollegen begeistern lassen. Die Präsenz in den Medien wächst, und wir wünschen uns, dass Heubergers Husaren ihren Weg gegen Dänemark und Polen fortsetzen.
Und vielleicht schütteln wir am kommenden Sonntag, 29. Januar, alle den Kopf, wenn wir uns an den dann 14 Tage zurückliegenden Auftakt erinnern. Wer kann noch sagen, gegen wen wir gespielt haben? Und warum war das nicht so gut? Na?
Übrigens: Die deutschen Nationalspieler haben Qualität - und die werden Heinevetter, Christophersen, Kaufmann, Gensheimer, Groetzki und all die anderen gegen Dänemark und Polen unabhängig vom Ausgang dieser Spiele nicht verlieren.
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