
02.02.2012 - Nationalmannschaft, HM
Nicht nur in den Auszeiten hatte er das letzte Wort: Der Kreisläufer des TBV Lemgo im neuen Handball-Magazin über Qualität, Charakter, Kritiker und junge Konkurrenten
Es ist später Freitagnachmittag. In Belgrad findet gerade das Halbfinale zwischen Dänemark und Spanien statt. Mit Geschick und Glück wäre diese Partie das Spiel der Deutschen gewesen. Just zu dieser Zeit sprechen wir mit Christoph Theuerkauf, dem Kreisläufer der deutschen Nationalmannschaft und des TBV
Lemgo. 48 Stunden liegt das Scheitern der deutschen Handballer da zurück. Theuerkauf erzählt, wie er und seine Mitspieler am Abend nach dem 32:33 gegen Polen bei ihrem schwer verletzten Kameraden Michael Haaß saßen, bei einem Bier ihren Gedanken freien Lauf ließen und im Liveticker das Ende der letzten, nur noch theoretischen Chance auf die Olympiaqualifikation verfolgten. Im HM-Interview gibt der 27-Jährige einen Einblick in die Geschichte eines seltsamen Turniers.
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HM: Wie beantworten Sie die bohrende Frage nach dem Warum?
Theuerkauf: Das ist für mich nicht greifbar. Kampf, Einsatz, Leidenschaft - da kann man der Mannschaft überhaupt nichts vorwerfen. Wir sind immer an unsere Grenzen gegangen, aber in den letzten beiden Spielen gegen Dänemark und Polen haben wir einfach spielerisch nicht überzeugt. Auch das gehört wie alles andere zu unserem Lernprozess. Wir sind im Laufe des Turniers gewachsen und waren auf einer Euphoriewelle. Aber als es mit Kampf und Euphorie nicht mehr ging und Handball gegen Dänemark und Polen spezieller wurde, waren wir einfach begrenzt und konnten noch nicht mit den Top-Teams mithalten.
HM: Ist das eine Qualitätsfrage?
Theuerkauf: Nach welcher Qualität wird da gefragt? Jeder von uns hat eine gewisse Qualität, sonst wären wir nicht in diesen Kader berufen worden. Die EM war ja eigentlich eine Steigerung im Vergleich zu den beiden vergangenen Turnieren (EM-Zehnter 2010 und WM-Elfter 2011, Anm.d.Red.). Dass man jetzt eine Qualitätsfrage stellt, ist der falsche Ansatz.
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HM: Es gab auch detaillierte Analysen, in denen zum Beispiel Sport1-Experte Stefan Kretzschmar sagte, die Achse Rückraummitte-Kreis sei im internationalen Vergleich zu schwach. Haben Sie und Michael Haaß das registriert?
Theuerkauf: Ja, klar. Wir haben das schon mitbekommen. Das ist ja auch Fakt, dass Hassan (Michael Haaß, Anm.d.Red.) und ich im Vergleich mit den spanischen, französischen oder kroatischen Kollegen keine Weltklassespieler sind. Wir sind ja keine Kinder, die blauäugig durchs Leben laufen... Wir haben viele gute Talente, aber auch die müssen sich erst einmal beweisen. Es geht immer gleich darum, dass wir den großen Umbruch machen müssten und es Bessere gebe - aber davon bin ich noch nicht überzeugt.
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